Wertpapier



Anja Luithle
ein fortlaufendes Projekt ab 2011



Linoldruck auf Toilettenpapier,
signiert, datiert, nummeriert, mit Prägestempel : "Anja Luithle, original work, logo"
Passepartout, weiß lasierter Holzrahmen, 35 x 50 cm.

Die aktuelle Anzahl der Grafiken können Sie der Sammlung („Listenansicht“) entnehmen.



Sammlung:

Eine vollständige Sammlung der Werkreihe befindet sich in der Kunsthalle Göppingen





Auszug Katalogtext
„Anja Luithle Flüchtige Anwesenheiten“
Juni 2012



Mit der Abschlussausstellung "Flüchtige Anwesenheiten" im Kunstverein Nürtingen verlässt Anja Luithle nach zwei Jahren Atelierstipendium in Nürtingen damit auch ihren von ihr so genannten Denkraum. Sie sah das Stipendiumsatelier als den Ort an, an dem sie sich nicht mit den technischen Aspekten ihrer kinetischen Objekte beschäftigen würde, sondern wo es allein um die Weiterentwicklung ihrer Inhalte gehen sollte. (...)

Die Frage nach den Inhalten der Kunst wird doch sehr grundsätzlich in den Wertpapieren aufgeworfen, handelt es sich dabei doch um von der Künstlerin per Handdruckverfahren zu solchen veredelte Toilettenpapierstreifen. Diese von Anja Luithle erworbenen Streifen erfahren durch den Aufdruck Wertpapier eine Aufwertung unbekannten Ausmaßes. Hier wird das Denken gefordert und die Ironiefähigkeit des Betrachters einem Lackmustest unterzogen. Die evidente Zweckmäßigkeit wird aufgeladen mit einem Versprechen, über dessen ideelle Wertsteigerung sich nur spekulieren lässt. Sie sind jedoch ganz offensichtlich nicht bei der Bank ihres Vertrauens ad hoc gegen etwas Werthaltiges einzutauschen. Ganz allgemein sind Kunstwerke natürlich grundsätzlich als Wertgegenstände zu betrachten, deren Wert sich wie bei anderen Dingen auch, aus dem Wechselspiel von Angebot und Nachfrage ergibt. Und hier sind wir bei der munteren Spekulation angekommen, die bei Geld- und Kunstdingen durch ein komplexes Spiel aus Fakten und Fiktion befeuert wird.

Anja Luithles Wertpapiere bilden also in gewissem Sinne ab, was sie bezeichnen. Wies René Margritte in seinem berühmten Bild einer Pfeife in diesem selbst darauf hin, dass es eben ein Bild und keine Pfeife ist, so weist Anja Luithles Wertpapier darauf hin, dass es sich erst noch wird erweisen müssen, in welchem Verhältnis Bild und Abgebildetes stehen. Rahmung, Kontext und die Gestaltung deuten jedoch darauf hin, dass die Künstlerin diesen Punkt einer längerfristig angelegten Behandlung für wert erachtet. Das zumindest kann als sicherer Indikator angesehen werden für eine erwartbar lohnende Investition in diese Papiere.(...)

Die meisten werden aber wohl vergnüglich auf Entdeckungsreise gehen in der Welt der Plastiken Anja Luithles, die das Denken anregen – und das Schmunzeln. Jenes Schmunzeln, welches ein tieferes Verstehen zu erkennen gibt. Solche Werte handeln Banken nicht.



Michael Gompf